Gelegenheit macht Spiele – meine Erlebnisse mit GameJams und Contests im letzten Jahr

Es ist Anfang 2022. Eine gute Gelegenheit über ein paar Ereignisse des letzten Jahres nachzudenken und für das gerade frisch geschlüpfte Jahr zu sehen, wie sich diese Themen weiterentwickeln. 2021 war voll mit allem Möglichen, aber besonders positiv sind mir GameJams und Contests als kreative Kristallisationspunkte aufgefallen.

Immer häufiger stolpere ich über Game Jams, Challenges oder Contests, bei denen es darum geht innerhalb einer definierten Zeit zu einem bestimmten Thema oder Vorgaben kreativ zu werden und etwas (ein Spiel, ein Spielbeitrag, etc.) auch fertig zu bekommen.

Im letzten Jahr konnte ich die Gelegenheit nutzen bei zweien mitzumachen. Das eine war der 2. 3W6 Game Jam mit dem Thema „Im Heimkino“. Das andere war der 10. Winter One Page Contest (WOPC), diesmal mit 4 möglichen Jahreszeiten als Thema.

Der 10. WOPC ist überschattet von dem plötzlichen Tod eines sehr aktiven und schmerzlich vermissten Akteurs und Mitbetreiber dieses Events. Am 26.11. 2021 ist Ingo Schulze, besser bekannt als Greifenklaue, überraschend im Alter von nur 44 Jahren gestorben. Seinem Mittäter beim WOPC André „Seanchui“ Frenzer ist es zu verdanken, dass dieses Event hoffentlich noch viele Jahre weiter fortbestehen bleibt.

Im englischsprachigen Bereich sind GameJams, Contest oder Challenges schon eine Weile bekannt und wenn man mal bei itch.io auf die Liste der aktuellen oder angekündigten GameJams schaut (hauptsächlich im Computerspielbereich, hier) kann es einem schon schwindelig werden. Aber auch im Rollenspielbereich tut sich einiges. Die Liste des itch-Nutzers Mathieu_be aus dem Jahre 2020 führt grob überschlagen an die 100 TTRPG GameJams auf (hier). _

Im deutschsprachigen Bereich sieht es nach meiner Erkenntnis etwas dünner aus. Die GameJams / Challenges , von denen ich zumindest weiß, waren 2021 im Februar der Aces in Space GameJam statt, im Juni der erste 3w6-Podcast GameJam und im September/Oktober der zweite (beide hier) und der 10. WOPC im Dezember (hier). Vielleicht gibt es noch viele andere Jams, Contests und Challenges da draußen, bei denen engagierte, kreative Menschen ihr Herzblut zum Kochen bringen, um die Welt wieder etwas reicher zu machen. Allerdings erfährt man da eher per Zufall von.

Was ich bei dem GameJam und dem Contest im letzten Jahr so spannend fand, war, was es mit mir gemacht hat. Beide hatten ein unterschiedliches Setup und beide hatten ein Spiel bei mir als Ergebnis. Der GameJam lief einen Monat und war als Soziales Event aufgebaut, bei dem sich alle Akteure über ihre Arbeit austauschten, gegenseitig Fragen stellten und beantworteten, Ideen miteinander besprachen, während alle an ihren jeweils eigenen Arbeiten saßen. Dann wurden die Arbeiten auch gelesen, Feedback dazu abgegeben oder hier und da gegenseitig unter die Arme gegriffen. Es war ein intensiver kreativer gemeinschaftlicher Prozess, eine Art Boot-Camp des kreativen Schaffens. Ich war ein Nachzügler und hatte nur eine Woche Zeit, mein eigenes Projekt dabei fertig zu bekommen. Das war gut, denn wahrscheinlich hätte ich über einen Monat gestreckt diese Intensität nicht aufrechterhalten können. Vielen Dank an alle Beteiligten und ich freue mich schon auf den nächsten 3W6-Podcast GameJam. Hier der Link zu dem Programmheft von „Im Heimkino“ mit den Links zu den jeweiligen Arbeiten.

Der Winter One Page Contest war anders strukturiert. An einem Tag wurden die Regeln und das Abgabedatum 33 Tage später veröffentlicht. Das war der Startschuss, dessen Echo ich erst 8 Tage vor Abgabe vernahm. Ich nutzte eine Woche Urlaub, um mit einem Spiel in 4 Variationen durch die 4 Jahreszeiten zu kommen, die das Thema des Contests sind, jeweils auf eine Seite gepresst. Auch das war eine kreative Herausforderung und das Spiel werde ich auch noch einmal in einem anderen Format veröffentlichen. Aber ich hatte 7 Tage genutzt, um dieses Spiel zu machen und fertig zu bekommen, das es wahrscheinlich so nie gegeben hätte. Deadlines sind Gold wert!

Was habe ich gelernt?

  1. Konzentriertes Arbeiten, über einen kurzen Zeitraum hinweg ist viel effektiver, als ein Projekt über Wochen oder Monate zu strecken. Leider lässt mein Alltag als temzeitalleinerziehender Vater von drei Kindern mit einem Fulltimejob und zu vielen Interessen eine solche konzentrierte Arbeit kaum zu. Daran muss ich etwas ändern.
  2.  Das miteinander an einem gemeinsamen Ziel arbeiten, auch wenn es nur ein grober Rahmen und eine Deadline sind, spornt ungemein an, weil man nicht nur alleine vor sich hin bastelt und weil man sicher sein kann, dass es zumindest ein paar Leute über den Kanal des jeweiligen Events zu sehen bekommen.
  3. Das kollaborative Arbeiten bei einem GameJam ist ungleich intensiver und stärker, als die Teilnahme bei einem Wettbewerb, allerdings ist es schwer die Intensität über längere Zeit aufrecht zu halten und gerade um die Organisatoren des Jams, die alle kreativen Köpfe zusammengehalten und unterstützt haben, während sie selbst an ihren Spielen arbeiteten, ist es still geworden. Ein solches Event ist ungemein kräftezehrend und danach braucht man erstmal Urlaub. Vielleicht kann man da an der Struktur und dem Aufbau noch etwas ändern und vielleicht wird es besser, wenn die Community um das Jam größer wird und mehrere Menschen mehr Arbeit abnehmen und unterstützen können.
  4. Das Testen kommt zu kurz. Bei dieser intensiven Arbeit versinkt man als erfindender und gestaltender Mensch ganz in dem Spiel und dem Prozess es zu erfinden. Die extrem wichtige Spiegelung von außen kommt da oft zu kurz, gerade, wenn die Zeit knapp ist und das Werk sowieso erst auf den letzten Drücker fertig wird. Bei dem GameJam war das Feedback extrem wichtig und wahrscheinlich wäre zumindest eine weitere Iteration noch besser gewesen, aber dazu hat die Zeit und Kraft nicht mehr gereicht. Also wie wäre es mit einem TestJam, der alleine das Ziel hat, die Spiele zu testen, zu spielen und zu optimieren, die bei einem GameJam erfunden wurden?
  5. Einen Contest, eine Challenge und einen GameJam zu finden ist ein Kunststück, was schade ist, denn ich glaube für viele kreative Menschen da draußen sind gerade solche Events Chancen ihre Kreativität auszuprobieren und mit anderen gemeinsam zu erkunden. Und zwar durch den ganzen kreativen Prozess von der ersten Idee, bis zum fertigen Werk – creative work in a nutshell, sozusagen. Was es zunächst braucht, ist eine Art Challenge und Jam Kalender oder Liste, und im weiteren Verlauf vielleicht eine Plattform oder Community, die ein Informationspunkt für alle Interessierten Teilnehmer, aber auch die Macher solcher Jams sein könnte. Das wäre vielleicht eine Aufgabe für den Interessenverband Fantasy und Science Fiction – ivfsf (https://www.ivfsf.de). 

Vielleicht schließen sich ja auch noch andere wichtige Prozesse an, wie Test und Verbesserung, Vermarktung, Werbung, usw. Last but not least wäre es schön, wenn die Arbeit, die man sich damit macht, kreativ zu sein und die Welt zu bereichern auch etwas zu dem Bestreiten und Erhalt eben dieses Lebens beiträgt. 

So. Erstmal genug für heute. Vielleicht kommt bald mehr.

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